Führen durch Zuhören

Führungskräfte gerade kleinerer Teams kommen oft mit dem Stoßgebet: „Was kann ich denn noch tun“ zum Coaching oder in eine Mediation. Mir wird auf Nachfrage sodann wortreich berichtet, welche motivations- und leistungssteigernden Maßnahmen man bereits ergriffen habe, wie oft Personal ausgetauscht wurde und welche Kriterien für Neueinstellungen zur besseren Zusammensetzung des Teams man sich bereits ausgedacht habe.
Als solch ein Gespräch kürzlich in der Aussage gipfelte: „Die Mitarbeiter bräuchten doch bloß zu tun, was ich sage – dann hätten alle ein schönes Leben“, fragte ich nach: „Warum ist es Ihnen so wichtig, die alleinigen Ansagen zu machen?“

In Zeiten von Work-Life-Balance, Fachkräftemangel und flachen Hierarchien hat Führung meines Erachtens eher mit Zuhören als mit Ansagen Erfolg. Langfristige Motivation entsteht durch die Überzeugung, an einem Projekt tatsächlich beteiligt zu sein, im Rahmen eigener Kompetenzen mitwirken zu können, eine zwar schwierige aber immer noch machbare Aufgabe lösen zu können.
Eine Führungskraft sollte daher die Erwartungen der Mitarbeiter erfragen, um sie mit den Führungszielen zu harmonisieren.

Führen durch Zuhören erfordert Selbstbewusstsein und Gelassenheit. Denn nicht immer stellen sich Mitarbeiter ihre Mitwirkung am Projekt in Übereinstimmung mit den Ideen und Zielen der Firmeninhaber und des Managements vor. Hier gilt es, verständlich zu kommunizieren, aufzuklären und zu überzeugen. Oft verbirgt sich nach meiner Erfahrung hinter einem ruppigen Kommunikationsstil und dem Wunsch nach kritikloser Folgsamkeit die eigene Unsicherheit der Führungskraft.

Insofern dient mein Coaching oder eine von mir moderierte Mediation immer auch der Entwicklung einer guten Kommunikation – und sie hinterfragt stets die Persönlichkeitsstrukturen der Beteiligten.

Emotionen müssen raus!

Als Mediator frage ich mich manchmal: „Warum gelingt jetzt dem Medianten der Sichtweisenwechsel nicht? Bin ich zu wenig auf Seine Ansichten eingegangen? Ist er einfach nur besonders stur?“

Nein – in solchen Fällen verhindern Emotionen den Perspektivwechsel.

Wir kennen es alle – da redet ein guter Freund oder gar der an sich geliebte Partner mit Engelszungen auf einen ein, bringt gute, logische Argumente, zeigt großes Verständnis für unsere Ansichten, ist geduldig – und dennoch können wir nicht von unserer Position abrücken. Was nicht sein darf kann nicht sein.
Warum verweigern wir uns aber trotz unterbewusster Einsicht diesen guten Argumenten?
Weil wir emotional gefangen sind. Weil unser Gefühl sagt, das darf nicht sein.

Und daher müssen Emotionen raus – raus aus dem Unterbewusstsein und auf den Tisch – und dann raus aus der Mediation!

Idee lässt sich auch auf Bundestagsdebatten, Fernsehtalkshows und politische Stammtischdiskussionen anwenden. Oft ist von den Rednern leider ohnehin nur geplant, den Zuhörer durch emotionale, plakative Polemik einseitig zu beeinflussen. An einer sachlichen Information, die auch einen Perspektivwechsel zulassen würde, sind die wenigsten Redner interessiert. Es geht um Macht, Macht durch emotional erzeugte Bilder, Macht durch emotional gefärbte Argumente. Wie schön wäre es doch aber, wenn jeder Zuhörer, Zuschauer, Leser und Diskutant die Wahl hätte, eine eigene Entscheidung zu treffen, indem verschiedene Sichtweisen ganz unemotional gegeneinander abgewogen werden könnten.

Wer heiratet denkt nicht an Scheidung…

…und doch werden ca. 50% der Brautpaare in die Trennungsfalle schlittern.

Eine statistische Binsenweisheit, vorangestellt um Mandanten zu fangen?
Keineswegs, vielmehr glaube ich angesichts meiner Erfahrungen behaupten zu können, dass wiederum 50% der Scheidungspaare bereits am Hochzeitstag in die Scheidungsfalle getappt sind. Diese besteht aus unreflektiert gelebten Mustern – und welcher insbesondere junge Mensch kann schon behaupten, überhaupt etwas davon gehört zu haben. Schließlich ist es „Aufgabe“ der Midlife-Krise, Herkunft und Muster aufzudecken.

Aber vielleicht lohnt sich doch ein kleiner Blick von der eigenen Sozialisierung hin zu der des Partners. Nicht umsonst empfiehlt der Volksmund, sich die Schwiegermutter bzw. den Schwiegervater vor einem Heiratsantrag genauer anzuschauen.
Komme ich tatsächlich mit deren Wesenszügen klar? Ist mein Partner bereit, darüber zu reden?

Hier liegt der Schwerpunkt meiner Betrachtungen – mit guter Kommunikation lassen sich Unterschiede aufdecken und einordnen, lassen sich neue Sichtweisen finden und Unmut über unterschiedliches Sein vermeiden.

Gerne berate ich Sie auch schon vor einer Trennung-sowohl als Coach im Einzelgespräch als auch als Mediator für Paare.
Und immer mit dabei die anwaltliche Kompetenz, wenn es um die Regelung materieller Fragen geht. Effizient und schnell auf den Punkt.

Grenzen der Mediation Teil 3 – Mediator als Medium

Nach der klassischen Mediationslehre wird angestrebt, die Medianten zu einem gegenseitigen „Verstehen“ zu führen. Die Parteien sollen nicht im Rahmen eines „faulen“ Kompromisses nachgeben müssen, sondern auf Grundlage einer neu gewonnenen Sichtweise eine eigene Lösung vorschlagen. Diese Lösung berücksichtigt dann idealerweise auch die Interessen des Gegenübers, konnten dessen Bedürfnisse und Gefühle doch erstmals wirklich gesehen werden.

Praktisch scheitert dieser Versuch des aufeinander Zuführens oft entweder an der Zeit oder am Geldbeutel der Parteien. Um eine andere Sichtweise einnehmen und diese zumindest als grundsätzlich akzeptabel anerkennen zu können, bedarf es oft erst eines „Durchlebens“ bzw. „Durchfühlens“ dieser zunächst ja unbekannten Haltung. Dazu braucht es viel Gesprächs- und Reflektionszeit. Nicht umsonst sprechen erfahrene Mediatoren von einer Mindestdauer von 10h für eine erfolgversprechende Mediation.

In der anwaltlichen Praxis steht diese Zeit oft nicht zur Verfügung. Wirtschaftslenker benötigen schnelle Erfolge, Trennungspaare sind die interne Auseinandersetzung leid, die Aussicht auf ein zunächst nicht unerhebliches Zeithonorar lässt die Hoffnung auf zukünftige erhebliche Prozesskosteneinsparungen oft zurücktreten.

In solchen Fällen greife ich als Rechtsanwalt & Mediator zu einer Kurz- oder Shuttlemediation und trete als „Medium“ für die Gefühle meiner Medianten auf. Ich versuche die Bedürfnisse der Parteien zu erspüren, auf den Punkt gebracht in Worte zu fassen und zurück zu spiegeln. Dabei gilt es, die verständlichen Widerstände der Medianten gegen die ungewohnte, neue Sichtweise zu überwinden und manchmal einen auf der Hand liegenden Lösungsvorschlag einfach zu präsentieren. Hierbei hilft mir auch meine rechtliche Sicht und die Lebenserfahrung aus 20 Jahren anwaltlicher Tätigkeit.

Brachten die Medianten ein Mindestmaß an Offenheit für eine einvernehmliche, moralische Lösung und Willen zur Reflexion mit, konnten in den von mir im Rahmen einer Kurz- oder Shuttlemediation geführten Gesprächen gute Ergebnisse für beide Parteien erzielt werden.

Dennoch werbe ich bei meinen Medianten stets für eine intensivere Auseinandersetzung mit ihren -den vorgetragenen Positionen zurunde liegenden- Bedürfnissen und Gefühlen.

Grenzen der Mediation – Teil 2

Vor dem Hintergrund des Anschlages auf die Dortmunder Fußballer wäre am gestrigen Tage die Berichterstattung über den Besuch des US-Außenministers Rex Tillerson bei seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow beinahe untergegangen. Als ich jedoch die Zusammenfassung des Gespräches hörte, kam bei mir die Frage nach der Verhandlungsstrategie des Amerikaners auf. Glaubte dieser ausgebuffte und äußerst erfahrene Ölmanager tatsächlich, von den Russen den Kopf des Diktators Assad fordern zu können? Waren hier tatsächlich Selbstüberschätzung oder Unwissen – die beiden größten Feinde der Mediation – am Werke, oder steckte hinter dieser unerfüllbaren Forderung die Strategie, eine Einigung verhindern zu wollen?

Selbstverständlich ist den Amerikanern seit den bahnbrechenden Verhandlungen zwischen Israel und Ägypten in Camp David 1978 und dem daraufhin von Roger Fisher entwickelten Harvard-Verhandlungskonzept klar, dass ein positives Verhandlungsergebnis mit der angestrebten win-win Situation ausschließlich durch sachbezogene Argumente herbeigeführt werden kann. Diese müssen die Interessen des Verhandlungspartners berücksichtigen, nicht die nach außen vertretenen Positionen.

Wenn nun also Tillerson tatsächlich die Beseitigung des von den Russen formal unterstützten Präsidenten Assad gefordert hätte, wären seine Gespräche von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Er hätte von seinem Gesprächspartner das Fallenlassen einer Position und damit eine offene Niederlage eingefordert.

Eine solche auf die formale Position des Verhandlungspartners gerichtete Forderung wird in meiner anwaltlichen Praxis oft von Mandanten erhoben, die ihre eigenen Position überschätzen, zudem die hinter der Position stehenden Sachargumente noch nicht ausreichend geprüft haben.
Ich versuche dann stets über eine Risikoanalyse die Bereitschaft für eine Mediation zu fördern. Zugleich erhoffe ich mir, die Einsicht für ein nachhaltiges win-win Ergebnis bei meinem Mandanten zu gewinnen. Selbst wenn ein absoluter Sieg im Rechtsstreit möglich wäre, hätte dieser Sieg langfristige Auswirkungen auf die zukünftigen Beziehungen der Parteien.

Zu oft überwiegen leider Selbstüberschätzung und Unwissen hinsichtlich der tatsächlichen „Überzeugungskraft“ der eigenen Argumente. Meist erst auf dem Schlachtfeld – hier zum Glück nur der Gerichtssaal – lassen sich die Parteien von den Vorteilen einer im Mediationsverfahren auszuhandelnden win-win Situation überzeugen.

Es bleibt zu hoffen, dass Politiker wie Tillerson und Lawrow es nicht auf eine reale Schlacht ankommen lassen, sondern wir im Streit um Positionen nur das medienwirksame Vorspiel zu vernünftigen Verhandlungen über sachbezogene Argumente erlebt haben und am Ende die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt werden können.